Unwissenheit schütz vorm Schwarzfahren nicht…

Wieder ist es soweit. Ich muss mich über die Wiener Linien auslassen. Was wie eine Tirade gegen diesen Verkehrsbetrieb aussieht, ist diesmal eine beidseitige Schuldzuweisung. Diesmal und zum ersten Mal musste ich Strafe zahlen ohne direkt Schwarz gefahren zu sein.

Vor zwei Wochen war die Schwester meiner Freundin zu Besuch in der Bundeshauptstadt. Im Handgepäck ihr Freund und eine lange Liste mit Sehenswürdigkeiten die sie sehen wollte. Auch das Wetter spielte größtenteils mit und wir konnten ein tolles Wochenende gemeinsam verleben. Ein Negativum gab es. Die Ticketverwirrungen rund um die Wiener Linien. Im spezifischen die Gültigkeit betreffend. Aber schön der Reihe nach.

Die Schwester ist an einem Freitag am Wiener Westbahnhof via Zug aus Oberösterreich angekommen. Um uneingeschränkt und unbedacht in der Stadt mobil sein zu können, haben wir der Schwester und ihrem mitgereisten Freund eine Wochenkarte gekauft. Die Überlegung war, 30cent im Vergleich zur 72-Stunden Fahrkarte zu sparen. Schließlich kamen sie am Freitag in der Früh an und fuhren am späteren Sonntagabend wieder ab. Die Gültigkeit einer Wochenkarte, laut unseren Informationen, erstreckt sich von Montag bis Montag. Somit war, nach dieser Logik, der Zeitraum ihres Aufenthaltes in Wien mehr als gedeckt. Wir begaben uns schließlich in die Tiefen der Wiener U-Bahnen und fuhren wie gewünscht herum um die Sehenswürdigkeiten zu besuchen.

Am Samstagvormittag, am Weg zum Prater, werden wir in einer U3 Garnitur kontrolliert. Die Ferienmonatskarten von meiner Freundin und mir werden genau unter die Lupe genommen und uns wieder ausgehändigt. Ebenso werden die Wochenkarten unserer Besucher akribisch kontrolliert. Plötzlich ein: „Na des geht oba ned!“. Daruf entgegne ich: „Was soll den nicht gehen?“. „Schauns eana moi des Datum an!“ Ich blicke auf die Wochenkarten und kann vorerst keinen „Fehler“ ausmachen. „Wos passt den nicht?, frage ich verwirrt das Kontrollorgan männlicher Abstammung. Sein Kollege beobachtet das geschehen von hinten. „Steigen wir bei da nächsten Station moi aus!“, erwiderte der Kontrolleur. Seinen Augen und seiner Mimik war eine leichte schelmische Schadenfreude zu entnehmen.

Wir stiegen allesamt aus. Warteten bis die U-Bahn Garnitur fahrt aufnahm und die Station „Neubaugasse“ verließ. „Schauns her. Des is des Datum von nächstem Montog! Oiso güt de Wochnkortn erst ab nächster Woche.“ Verdutzt musterte ich erneut die Wochenkarten. Tatsache. Gültig ab 18.08.2014, der kommende Montag. Ratlos verwiesen wir auf den Ticketautomaten der ÖBB, wo wir am Freitag eine Wochenkarte für die aktuelle Woche kaufen wollten. Der erste Gedanke kreiste um einen Fehler beim Automaten. Schließlich klärten uns die Kontrolleure über eine Regelung auf, die mir bisher neu war und mehr als komisch vorkam:

„Alle Wochenkarten die nach Donnerstagen an einem Ticketautomaten (egal ob ÖBB, Wiener Linien oder Sonstige) gekauft werden, gelten bereits für die nächste und nicht die aktuelle Woche in der die Karte gekauft wird.“

Belegt wurde uns diese Regelung direkt am Ticketautomaten wo man durch das Tippen auf das „i“ (Anm.: Blaues Informationssymbol) alle Infos zu den Fahrkarten erhält. Unter uns gesagt, war auch das erhalten dieser Information etwas schleierhaft. Aber gut. Eingestanden. Es gibt die Möglichkeit diese Infos zu erhalten. Nichts desto weder glaube ich, dass die wenigsten Fahrgäste auf ein „i“ drücken und die Zeit haben um sich ausführlich am Automaten einzulesen. Vor allem in Anbetracht auf wartende Käufer die hinter einem am Automaten anstehen.

Nach ausführlicher Erklärung und dem Gerangel um Recht, Unrecht, die Sache zwischen Unwissenheit und Strafe, folgte der Vollzug. Per Fahrgastregeln der Wiener Linien waren unsere Besucher beide ohne gültigen Fahrschein unterwegs. Dem entsprechend wäre eine Geldstrafe von 206€ fällig gewesen. „Großzügiger weise“ , wurde uns eine der beiden Strafe erlassen. Dies ergab eine Reststrafsumme von 103€.

Erneut begannen die Verhandlungen. „Wir san alle vier Studenten. Und leider ist es kein Gerücht, dass wir nicht zu den Reichsten 10% des Landes gehören!“ „Sans doch alle froh des auf uns kommen san! A ondara hät eana die Volle verrechnet!“ In dieser Tonalität wurde hin und her diskutiert. Eigentlich recht einseitig.
Zu guter Letzt blieben uns die 103€. Logischerweise wollten wir unsere zwei Besucher nicht alleine auf der Strafe sitzen lassen und teilten brüderlich den sauren Apfel. Schließlich traf uns eine gewisse Mitschuld.

Aus Sicht der Wiener Linien war der Vollzug nicht nach den Regeln. Statt zweier Strafen wurde nur eine verhängt. Klar ist, wenn man mit den Öffis unterwegs sein will braucht man eine gültige Fahrkarte.
Auf unsere Situation bezogen etwas apathisch und kalt. Wir haben den Willen gezeigt, aufrichtig und vor allem legal die Bahnen und Busse des Verkehrsbetriebes zu nutzen. Haben unbewusst, die falschen Karten gekauft. Hätten uns natürlich genauer informieren können und vielleicht sogar sollen. Aber. Die Logik hat uns bis jetzt erläutert, das eine Wochenkarte die von Montag bis Montag gültig ist, an einem Freitag gekauft, bis Montag gültig sein sollte. Daher verorte ich hierbei eine Verwirrung und schlage gleichzeitig eine Veränderung der Gültigkeit einer Wochenkarte vor. Eine Wochenkarte sollte, egal an welchem Tag sie gekauft wird, genau 7 Tage gültig sein. Damit sollten Verwirrungen um die Gültigkeit und das Kaufdatum komplett aus der Welt geschafft sein.

Zum Umgang mit einer Situation wie unserer folgendes: Es wäre doch im Sinne aller gewesen, hätten uns die Kontrolleure informiert. Über die Gültigkeit, den Zeitraum und die „Donnerstagregelung“. Hernach wären die Herren mit uns gemeinsam an einen Ticketautomaten gegangen. Dort hätten wir uns erneut unter Rücksichtnahme aller Regelungen und Gültigkeitsbereiche, entsprechende Fahrkarten für unseren Bedarf gekauft. Die „ungültigen“ Wochenkarten wären uns abgenommen worden. Wir hätten mit dem doppelten Kauf zwar ebenso einen finanziellen Mehraufwand gehabt, welcher sich aber signifikant von der Strafe unterschieden hätte. Die Wiener Linien hätten ebenso Gewinn gemacht und niemand wäre beleidigt und verärgert gewesen. Ebenso hätten wir uns ein gutes Bierchen mehr im darauffolgenden Besuch im Schweizerhaus leisten können.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Sag mir deine Meinung oder diskutiere mit den anderen Lesern über dieses Thema.
Die Pflichtfelder sind entsprechend markiert. Dein erter Kommentar wird vom Autor geprüft und freigeschaltet. Er ist also eventuell nicht gleich sichtbar.

gravatar-Kim

Ich glaube bei uns ist es jeher so, dass die Karten eine Kalenderwoche lang gültig sind. Aber das weiß ich auch nicht mehr so genau, da ich noch nie eine Wochenkarte gekauft habe - nur 1-2x für meine Mom vielleicht.

gravatar-Sascha

Genau nach dieser Logik haben wir die Karten an einem Donnerstag gekauft und sind daher auch davon ausgegangen, dass sie bis zum Ende der KW gültig sind. Das Problem war eben diese Donnerstagsregelung beim Verkauf, die besagt, dass man eine Wochenkarte die nach einem Donnerstag gekauft wird für die kommende KW und nicht die laufende gilt.Also wenn deine Mom demnächst nach Wien kommt, bloß acht geben beim Ticketkauf. ;) Du bist gewarnt. :P

gravatar-Kim

Meine Mom wohnt eh in Wien. Wir kaufen nur selten eine Wochenkarte. Meist kauft sie diese Umweltkarte, die man nicht unbedingt an 8 darauffolgenden Tagen entwerten muss. Ach, ich blick da nicht so durch. Ich habe eine Jahreskarte für die Öffis in Wien ^^