Make love, not consumption…

14. Februar, Tag der Liebenden oder auch Valentinstag genannt. Groß angelegter Tag des Konsums. 1 Tag Liebe, 364 Tage Gleichgültigkeit. Zwischen Tradition, Verlogenheit und Konsumwahn.
Ich kann es nicht mehr hören. Mögen die Tage noch so abgedroschen, veraltet, eingemottet und vermodert sein, der Markt und die an Profitgeilheit übererigierten Konzerne packen sie alle nach der Reihe aus. Stauben sie ab, verpacken sie in wunderbar glitzernde mit gekünstelter Emotion übersäte Werbungen und steigern den Absatz. Kein Tag wird ausgelassen. Halloween, Ostern und tagesaktuelles Beispiel, Valentinstag. Zum erbrechen.

Zunächst zurück an den Ursprung. Der Valentinstag, so unterschiedliche Quellen des unweiten Internets behaupten, kann auf mehrere Ursprünge zurückreichen. Die einen behaupten es hänge mit Epiphanien Gottes also göttlichen Erscheinungen zusammen, andere führen den Tag als Gedenktag christlicher Märtyrer mit ähnlichem Namen zusammen, wiederum andere verorten Wurzeln ins 14. Jahrhundert wo Minnesänger den Damen romantisch huldigten.
Seit dem 15. Jahrhundert, so schreibt es Wikipedia, werden in England Valentinspaare gebildet die sich Geschenke beziehungsweise Gedichte schicken. Die Paare seien durch ein Los ermittelt worden. Im weiteren Verlauf der Zeit, sei dieser Brauch in die USA und schließlich, im Zuge des Nachkriegsaufschwung und der sukzessiven Globalisierung, nach Europa geschwappt. Somit mag der geschichtliche Überblick gegeben sein.

Der mir manchmal zu Recht oder auch manchmal zu Unrecht unterstellte Antiamerikanismus in mir will sich prompt eine leichte Abwälzung zurechtlegen. In demagogischer Diktion, frei nach „Alles was von dort kommt ist er nur Kommerzscheiß“ oder „Wir picken uns nur den amerikanischen Blödsinn heraus um Geld zu machen“, wäre es vielleicht doch zu einfach und pauschalisierend.

Nicht alles was aus den USA kommt ist Mist respektive, belanglos, kommerzorientiert oder schlecht. Genauso wenig mag die US-Bevölkerung etwas mit Traditionen zu tun haben, die wir, beziehungsweise unsere europäische oder österreichische Wirtschaft hier aufsaugen. Schuld an der „Behämmerung“ sind, nicht zuletzt wir selbst. Wir, die wir uns durch Markt- und Werbemechanismen Kauf- und Besitzverhalten, sowie unsere Emotionen suggerieren lasen. Wir Menschen, die in Überfluss leben, sich aber unserer eigenen Emotionalität nicht mehr bewusst sind. Uns durch unsere Lebensstile, die natürlich nicht nur Produkt unserer selbst, sondern der Mechanismen in der wir leben, sind. Wir lassen uns den Valentinstag, den Vatertag, Halloween und unzählige andere Tage aufs Auge drücken und bekommen suggeriert, dass man vor allem gerade an diesen Tagen kaufen und schenken muss, um ein nie dagewesenes Muster zu erfüllen. Das eigene Konsumgewissen zu beruhigen, sich die Sympathien unserer Nächsten in den Millisekunden der Kaufentscheidung und des Schenkens zu erhaschen, um an den restlichen 364 oder weniger Tagen Vernachlässigung üben zu können ohne gröbere Gewissensbisse zu erleiden.

Was nun passiert, nachdem es seit einigen Jahren fruchtet und der „Virus“ sich in unserem Konsumhirn verbreitet hat, ist reine Reproduktion. Angefangen haben die Geschäfte, jetzt sind die Medien mit aufgesprungen, die uns wie auf das Umstellen der Uhrzeit, darauf aufmerksam machen. Jeder spielt seinen Part in der Reproduktion. Die Filmindustrie. Sogar der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer ist, offenkundig, Teil dieser sich nun selbst erhaltenden Maschinerie.

Was soll man tun? Aufhalten kann man Phänomene dieser Art mit Sicherheit nicht. So warmherzig und mit Liebe bestückt die Vorzeichen auch sein mögen, so kalt und herzlos sind mit Sicherheit die Interessen dahinter. Mein Aufruf wäre folgender: Lasset uns doch alle gemeinsam etwas zärtlicher sein. Unter dem modifizierten Mantra „Make Love not Consumption“ könnte man doch versuchen, 365 Tage im Jahr, der oder dem Nächsten Nettigkeit zu überbringen. Das muss nicht mittels Blumen, Pralinen, Städtereisen oder Ähnlichem geschehen. Orientieren wir uns doch an der poetischen Leidenschaft der mittelalterlichen Minnesänger und schreiben ab und an ein paar nette Zeilen oder helfen den Menschen ritterlich in schweren Lebenslagen.

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