Gedanken zum Wohlstand…

In den nächsten Zeilen möchte ich über den Begriff des Wohlstandes sinnieren. Ihn ein bisschen durch meinen Kopf wälzen und darüber nachdenken was er bedeutet oder auch nicht bedeutet.
Zunächst möchte ich das Wort in zwei Begriffe teilen. „Wohl“ und „Stand“.
Zunächst das Wort „Wohl“. Bezeichnet, nach der Definition des Dudens ein persönliches Verhältnis in dem sich jemand wohlfühlt. Es geht einem gut. Es mangelt an nichts. „Wohl“ ist dennoch Auslegungsache. Nicht für jeden ist „Wohl“ einheitlich zu denken. Einige mögen mehr oder weniger benötigen um sich wohl zu fühlen. Somit kann man „Wohl“ nicht verallgemeinern. Ich kann mich mit Lungenkrebs an einem Tag zwar „Wohl“ fühlen, dennoch geht es mir womöglich nicht gut. Ein Obdachloser empfindet sein Nachtlager in der warmen Bahnhofsmission als Zustand des Wohlbefindens, da er in der Nacht zuvor auf einer Parkbank im freien die Nacht überleben musste. Jedoch ist es für einen Menschen der in „humanen“ Verhältnissen lebt nicht wohlig, in einer Bahnhofsmission übernachten zu müssen. Somit ein durchaus konträrer und undifferenzierter Begriff, „Wohl“.
Der zweite Wortteil, „Stand“ gehört einer noch größeren Bedeutungsfamilie an. Jedoch im Zusammenhang mit dem Wort „Wohl“ könnte man ihn in der Bedeutungsgruppe als „Einstufung“ „Stufe“ oder „Verfassung“ beziehungsweise „Beschaffenheit“ einordnen. Kurz gesagt etwas, dass man entweder erreicht oder einem ermöglicht wird. Ein Stand oder auch in marxscher Diktion, eine Klasse, in der man geboren wird oder welche man sich womöglich erarbeitet.
Zusammengefasst kann man sagen, dass der Begriff „Wohlstand“ eine positive Konnotation besitzt. Es ist doch ein Wort das man mit etwas positivem verbindet. Auf der ganzen Welt. Niemand wird sagen wollen, ein Mensch der sich im Wohlstand befindet, lebt in schlechten Verhältnissen.
Ich würde einen Schritt weiter gehen und sagen, dass Wohlstand nicht gegeben ist. Wohlstand kann man sich erarbeiteten, wenn es die Gesellschaft in der man lebt auch zulässt. Wohlstand wird, leider, vor allem durch monetäre Potenz definiert. Eine Person im „Wohlstand“ ist in den meisten Fällen wohlhabend, gesund und besitzt einen gewissen angesehen gesellschaftlichen Status. Eine geregelte Arbeit mit welcher der Wohlstand besichert wird. Manchmal auch Bankanlagen die für den im Wohlstand befindlichen arbeiten.

Zugang zur Arbeit und gleichsam zu einem Mechanismus der Wohlstand fördert, besichert oder gar ermöglicht, besitzen nicht alle Menschen auf der Welt. Nicht mal alle Menschen in den westlichen und als industriell ausgeprägt bezeichneten Ländern. Die ideale Arbeitskraft soll am besten jung, dynamisch und kreativ sein. Ein Teamspieler und vor allem körperlich und mental gänzlich auf der Höhe. Ein Mensch der immer rational und bedacht handelt. Emotion und Psyche soll weitgehend ausgeblendet werden. Effizienz ist ein Stichwort das uns vor allem in Zeiten des Wachstums immer suggeriert wird. Angefangen bei Autos und Maschinen will man auch den Mensch in ein maschinenartiges Surrogat verwandeln. Am besten mit Langzeitakku und 2-jähriger Herstellergarantie, um ihn oder sie im Falle eines humanoiden Gebärdens austauschen zu können und ein Neugerät zu erhalten.
Genau diese Mechanismen des modernen Arbeitsmarktes schalten viele Menschen aus. Stellen sie in den Schatten oder drängen sie an einen inhumanen Rand. Durch Bildungsmaßnahmen wird allen eine Aufstiegsmöglichkeit suggeriert. Bildet euch und ihr werdet noch heute die Topmanager von morgen. Gleichsam kosten Bildungsangebote Geld. Schließen wiederum aus. Nur wer sich mit seinen letzten Euromünzen die er sich erspart hat, anstatt sie in humane und geregelte Lebensverhältnisse zu stecken, ein Bildungsangebot leisten kann, hat womöglich eine gut bezahlte Arbeitsstelle zu erhalten und so einen bestimmten Wohlstand zu erreichen.
Staatliche Hilfe gibt es. Aber sie reicht nicht aus um Wohlstand aufzubauen. Soll aber auch nicht Sinn und Zweck sein. Wer arbeiten kann, soll sich seinen Wohlstand auch erarbeiten können. Was passieren sollte und partiell schon passiert, von Seiten der Politik, ist die Regulierung des Arbeitsmarktes. Man darf Konzernen und Firmen nicht die alleinige Ponzius-Pilatus-Stellung geben. Betriebe sollen verpflichtet sein, wenn sie es nicht von selbst darauf kommen, Ältere und vor allem arbeitswillige Menschen zu beschäftigen. Die große Konstante des Kapitalismus, in dem unsere Wirtschaft funktioniert, ist der Gewinn, der Profit. Jedoch nicht für den gesamten Betrieb. Nur für ausgewählte „Würdenträger“. Denen ist es egal wenn sie Unmengen an guten Mitarbeiterinnen entlassen, um ihren eigenen extremistischen Wohlstand zu besichern. Ihre Yachten in der Ägäis und das Chateau in Bordeaux.
Es bedarf staatlicher Regulierungen um solche, dem Kapital dienenden Vorgänge, zu unterbinden. Hauptproblem der staatlichen Teilzeituntätigkeit sind unter anderem die Lobbyisten. Das Problem das viele Politiker und einige Parteien stark mit Firmen und Konzernen verbunden sind. Sogar Parteien, die sich als Arbeitnehmerparteien rühmen, haben bereits mehr als starke Synthesen in der Wirtschaft.

Doch was tun? Revolution? Aufstand? Niemals! Die Gesellschaft in unseren Breiten ist mit existenziellen Ängsten konfrontiert. Seit den wiederkehrenden ökonomischen Krisen wird Wohlstand anders bemessen. Man muss drum kämpfen. Menschen kehren in alte Muster zurück. Die Gesellschaft verschließt sich teilweise. Entweder, als Einzelgänger oder in sich geschlossenen Personen- oder Familiengruppierungen, kämpft man an, um sich sein Leben und seinen Wohlstand zu besichern. Denn jeder will im Wohlstand leben. Jeder will sich seine Träume erfüllen.

Obwohl der Wohlstand mehr sein kann und sollte als nur jene materiellen Dinge, mit dem ich meinen Wohlstand bemesse. Niemand will oder kann sich an Gesundheit erfreuen. Alle stehen trauernd um Särge und fragen sich warum und warum den bloß nicht. Die Zeit in der man körperlichen Wohlstand erfährt geht an uns vorbei wie ein Windhauch der Gleichgültigkeit. Ist der Hauch vorbei fragt man sich warum? Materielle Dinge werden erst in Zeiten der körperlichen schwäche unbedeutend. Man fragt sich wie es war, als gesunder Mensch.
Was ist mit kulturellem Wohlstand? Einem Gut, das sich in Form der zunehmenden Kommerzialisierung der Kultur auch immer mehr im verschwinden wiederfindet. Wobei es auch einer genaueren Ausdifferenzierung bedarf, was für jeden einzelnen von uns Kultur ist. Selten fühlt sich jemand bereichert, sei es durch einen guten Film, ein Theater- oder Opernstück, beziehungsweise Konzert. Es wird wie eine Medaille getragen. Spöttisch fragt man seinen Nächsten ob er oder sie denn schon „diesen Film“ gesehen hat, weil man selbst ihn schon gesehen habe und damit zeigt wie gut man doch ist. Wie in vielen Bereichen macht man auch daraus oft einen Wettkampf. Der Wettkampf den uns der fälschlich suggerierte Wohlstand beschert. Ich kann dies oder das mehr.

Vielleicht habe ich etwas zu weit über Wohlstand nachgedacht. Tue ich dem Begriff etwas Ungerechtes? Ist Wohlstand, wie ihn unter anderem der Duden definiert, nur ein Begriff den man im monetären Bereich artikulieren sollte, oder kann man ihn ausdehnen auf andere Bereiche? Was kann und darf Wohlstand wert sein und wer darf und kann ihn für sich beanspruchen. Oder stellt sich diese Frage erst gar nicht?

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