Der goldene Zeigefinger oder das Spiel mit der Angst…

15. Oktober – es stehen wieder Nationalratswahlen ins Haus. Ich habe das Gefühl ich muss mich ständig vor etwas fürchten. Wähle ich die SPÖ muss ich mich fürchten das Rot-Blau kommt oder wieder Rot-Schwarz. Wähle ich die ÖVP bandelt Basti mit HC oder er versöhnt sich doch wieder mit dem Christian. Wähle ich Grün wähle ich eine Bobo-Partei die nur noch für den Veganer mit 90m² Eigentum in der Josefstadt Politik macht. Macht man das Kreuzerl beim Strolz heißt es Studiengebühren light mit good Vibrations und Harmonie, ganz neoliberal das Wasser privatisieren. Und der Pilz will jordanische Gulags errichten und mit Sichel und Hammer die Grenzen sichern. Alle anderen stehen am Grenzzaun der Isolierung und schreien YMCA während sie ihre Kredite nicht zurückzahlen wollen.
Was uns definitiv noch bis 15. Oktober ins Haus steht ist Wahlkampf. So unterschiedlich und Phasenreich dieser auch sein mag, von einem wird er sicherlich weiterhin geprägt sein. Von Angst. Angst in verschiedenartiger Form. Angst vor Überfremdung, dem politischen Gegner oder einer Neuauflage von gewissen Regierungskonstellationen.

Herr und Frau Österreicher können nicht mehr aus Überzeugung wählen. Wir wählen nicht mehr um Programme oder Inhalte zu unterstützen. Das suggerieren uns nicht nur die Wahlwerbenden, sondern auch die Medien. Duelle, Konfrontationen, alleine das Wording weist daraufhin, dass es um Kampf geht. Wer schlägt wen. Die Botschaft die bei uns ankommen soll ist: „Es herrscht Chaos wenn der andere dazugewinnt!“

Was bedeutet das? Es wird ein Bild der gegenseitigen Feindschaft erzeugt. Die Frage ist, ob sich sowas komplexes und fragiles wie Politik und Demokratie auf so naturalisierte Paradigmen verbiegen soll. Muss das Volk den mit Angst gelockt werden. Warum muss Politik und Wahlkampf mit einem „bad news are good news“ Schemata geführt werden?

Ich verlange nicht, dass wir uns auf einen hochjuristizierten oder datengeschwängerten Wahlkampf einlassen sollen. Doch es geht ab Anfang 2018 für fünf Jahre um mehr als nur „ich mag den oder den nicht und der oder der könnten gefährlich sein“. Es geht um die Formung der Gesellschaft. Es geht um das Parlament, den Nationalrat und die Konstellationen die dort entstehen.

Die hochmediatisierte Gesellschaft, Show around the clock, haben wir doch schon zu genüge. Lassen wir uns nicht noch in der Politik auf Verfestivalung ein! Natürlich gehört Emotion dazu, schließlich macht sie uns zu Menschen, doch singen wir endlich wieder Lieder auf das, was wesentlich ist und was uns in der Gesellschaft bewegt. Die Inhalte und Überzeugungen, ohne einen Sündenbock aufzeigen zu müssen. Im Kindergarten lernen wir nicht mit dem Finger auf andere zu zeigen, sondern selber zu beweisen, was wir fühlen, denken und machen können.

Zeigen wir das auch am 15. Oktober. Wählen wir nicht, weil uns der oder die eine mit dem Finger gezeigt hat wer der Böse ist, sonder wählen wir weil der oder die eine gesagt hat er bzw sie will dieses oder jenes machen. Das ist doch was PolitikerInnen tun sollten und lassen wir uns nicht auf diese Fingerzeig-Spiele ein die uns alle vormachen wollen.

Egal wer gewinnt, es wird keine Diktatur ausbrechen. Niemand wird Lager eröffnen, Menschen erschießen, die Wirtschaft zerstören, die Leute enteignen oder sonstiges. Ab 2018 formt sich der Volkswille neu zusammen. Die Frage die wir uns stellen sollten ist, wie wollen wir das unser Wille repräsentiert wird. Wollen wir uns jemanden erwählen der unsere Erwartungen, Wünsche und Ziele verfolgt oder jemanden der im Wahlkampf ein Megafon am goldenen Zeigefinger hatte.

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