heimat, fremde heimat…
16.03.2012

Villa Erotica lese ich an der Hausmauer eines offensichtlich alten und herabgekommenen Laufhauses irgendwo in mitten der ländlichen Gegend der Südsteiermark. Ich sitze im EC Polonia der Österreichischen Bundesbahnen und bin am Weg in die Heimat. Einen Ort, welchen ich erst seit wenigen Wochen Heimat nennen kann und darf.

1,7 Millionen Nachbarn, hohe Häuser, Kebapbudendschungel und nicht zu vergessen der Wind. Wien.

Mitte Januar war es soweit. Ich bin in die Bundeshauptstadt verzogen. Dort nenne ich 38 Quadratmeter mein Zuhause. Es war von Tag 0 an ein ungewohntes Gefühl nun komplett selbstständig zu leben. Man kennt zwar das Gefühl, wenn man mal alleine Zuhause ist, wenn die Eltern mal verreisen. Aber wenn man Tag ein Tag aus nun dieses Gefühl hat ist das schon was komplett Neues. Vor allem für einen jungen Menschen wie mich.

Meine “alte” Heimat, Kärnten, hinter mir zu lassen war natürlich mit einer gewissen Wehmut verbunden. Auch wenn viele Freunde und Bekannte in Wien leben oder studieren, musste ich einen Teil meiner aller besten Kumpaninnen und Kumpanen verlassen. Die Verwandten und Bekannten und nicht zuletzt die unvergleichbare Naturschönheit. Was mir definitiv nicht abgeht, sind alle politischen und gewisse gesellschaftlichen Gepflogenheiten.

Nachdem ich meine trauten 38 Quadratmeter nun personalisiert und möbliert habe, begann ich erst zu realisieren, dass ich nun Wiener bin und auch hier wohne. Einer von 1,7 Millionen. Da kennt nicht jeder jeden. Einerseits eine Vorstellung die mir nicht unbedingt missfällt aber trotzdem ein ungewöhnliches Gefühl. Wenn ich einst durch Klagenfurts Straßen spaziert bin, konnte es schon passieren, dass ich das eine oder andere bekannte Gesicht gesehen habe. Nun sitze ich in verschiedensten Straßenbahnen und sehe täglich neue Gesichter. So kommt es mir zumindest vor.

Die ersten Tage und Wochen waren geprägt von neuen Eindrücken und gewissen Regeln, die man in Wien verinnerlichen sollte, damit man sich nicht gleich unbeliebt macht. Ein Klassiker war das Rechts stehen auf Rolltreppen. War mir natrülich schon vor meinem Umzug nach Wien bekannt. Trotzdem vergisst man das hin und wieder. Da kommt es schon vor, dass man ein “Heast bist ogrennt!” oder “Hau di auft Seidn, wonnst ned weida gehst!” buy generic viagra zu hören bekommt.

Bleiben wir gleich beim Thema Öffis. Was das betrifft ist Wien einfach unschlagbar. Man braucht in dieser Stadt überhaupt kein Auto. Egal in welchen Winkel der Stadt man will, es fährt entweder die U-, Straßenbahn oder ein Bus dorthin. Meine Angst, dass ich mich in der Großstadt und im Netz der Wiener Linien nicht auskennen werde, hat sich überhaupt nicht verwirklicht. Alles ist überschaubar und man kommt mit fast allen Linien im 2-5 Minutentakt voran. Im Vergleich zu Klagenfurt, eine Verbesserung um mehr als 100%. Damals hab ich mich noch geärgert, wenn ich auf 30 Minuten auf den Bus warten musste. Mittlerweile bin ich schon soweit, dass ich mich in der U-Bahn Station ärgere, wenn ich 5 Minuten auf die nächste Bahn warte.

Wenn wir schon beim Thema ärgern sind. Nicht nur für die unzähligen Kaffeehäuser, Beisln und das gute alte Riesenrad ist Wien bekannt. Eines was mir fast tagtäglich auf den Straßen, im Geschäft oder Anderswo auffällt, ist das typische Wiener Granteln. Ob über Leute, die Politik oder ganz banale Dinge des Alltags. Wie alles andere muss man sich in der Bundeshauptstadt auch das angewöhnen, um nicht als ganz “Ogschodert” durchzugehen.

Nun sitze ich mittlerweile wieder in meinem Wohnzimmer in Ottakring. Nachdem ich meine neue Heimat und mein Grätzel besser kennen und mittlerweile schon etwas lieben gelernt habe, muss ich mich wieder auf die wesentlichen Dinge konzentrieren. Schließlich bin ich nicht zum Spaß haben in Wien. Die Stadt bietet wunderbare Berufs- und Weiterbildungsmöglichkeiten die es zu nutzen gilt. Viele namhafte Medienbetriebe haben ihren Sitz in Wien, was für Journalisten wie mich ein wahres Mekka ist.

Abschließend möchte ich nochmal alle in meiner ehemaligen Heimat Kärnten grüßen und gleichzeitig einen Selbstmörder zitieren: “Passts mir ja gut auf mein Kärnten auf…!”

Bis dann! Tschüssie!

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