Grund zur Anklage. Grund zur Verzweiflung. Grund zu hinterfragen. Haben nun nicht nur die Betroffenen Mitmenschen der 19 Todes Opfer und der Hunderten von Verletzten, sondern auch die gesamte Gesellschaft des 21 Jahrhunderts. An dieser Stelle möchte auch ich mein tiefstes Beileid und mein außerordentliches Mitgefühl den Opfern und deren Angehörigen zum Ausdruck bringen.
Was ist das für eine Entwicklung die unsere Menschheit nun mitmacht? Wohin bewegen wir uns eigentlich? Düsburg, zeigt mir persönlich zumindest das sich die Menschheit in eine egozentrische, gnadenlose und unbarmherzige Gesellschaft entwickelt. Menschen, welche sich trotz großen Andranges und sichtlichem Trubels gierig durch einen für gigantische Massen ungeeigneten Durchgang pressen und sichtlich am Boden liegende Menschen einfach zertrampeln. Solche kann man wohl überhaupt nicht zum Teil einer kollegialen und sozialen Gesellschaft zählen.
Soweit ich weiß, spürt man das doch wenn man auf etwas draufgeht das nicht ganz eben ist. Geschweige den ein Mensch. Ist doch schlimm. Natürlich kann man den Menschen die dort durchgegangen sind nur bedingt die Schuld zusprechen, schließlich hat auch der Veranstalter einen tödlichen Fehler gemacht und den Eingang total falsch eingeplant.
Es schockiert mich zutiefst, wenn ich sehe das Menschen praktisch ohne Gefühle über das unschuldige Leben eines Mitmenschen trampeln.
Da dies ja nicht ein Einzelfall in Düsburg ist frage ich mich wirklich, ob man unsere Gesellschaft noch sozial nennen darf. Ist ein Menschenleben den nichts mehr wert? Auch wenn das ein Festival ist mit lauter Musik und guter Stimmung, kann man nicht wenigstens einen Hauch von gesittetem Verhalten an den Tag legen? Ich habe durchaus Verständnis das in diesem Eingangsbereich die Panik ausgebrochen ist, doch kann man so panisch sein, dass man in seiner Angst jede Courage verliert und nur noch ans eigene Wohl denkt und andere ganz auf der Strecke liegen lässt?
Immer öfter bemerke ich das vor allem jungen Menschen das wohl Anderer oder Älterer total egal ist. Jüngste Ereignisse berichten uns sogar von Raub, Gewalt und Anderen schlimmen Delikten gegenüber älteren Personen. Ausgeführt von Jugendlichen. Dies erschreckt mich immer wieder. Leider hört man dies nicht nur 1 bis 2 Mal pro Jahr sondern Tag für Tag aus allen Formen der Medien. Unsere Gesellschaft ist wirklich an einem Punkt angelangt wo es nur noch das “Ich” und vielleicht noch das “Ich und Familie und ein paar Freunde” gibt. Der Rest wie Gemeinschaft, Nächstenliebe oder Sozialität wird kleingeschrieben oder gar verworfen. Frei nach dem Motto: “Was interessiert mich der, den kenn ich doch garnit!”
Der Beste Weg so etwas zu erlernen wäre eine verpflichtende Arbeit für Jugendliche in einem Heim, bei Street Workern oder gar im Krankenhaus. Warum sollten junge Männer sich im “Gatsch” der österreichischen Wälder wältzen. Was soll ihnen das für das Leben bringen?
Mein Großvater ist leider nach seiner schweren Erkrankung nun seit geraumer Zeit in Krankenhäusern. Ich gehen ihn natürlich regelmäßig besuchen und das ist neben einem angenehmen Nachmittag bei meinem Opa auch noch eine Lehrstunde für mich. Dort seh ich das Leid, die Schwäche und viele weitere Dinge die einem Menschen zustoßen können auf laufendem Band. Doch dann sehe ich wie diesen Menschen geholfen wird und wie glücklich sie teilweise auch sind, dass sie Hilfe bekommen. Noch glücklicher und dankbarer sind aber jene Menschen denen irgendwas Alltägliches misslingt und sie auf Abruf Hilfe benötigen, was aber leider oft nicht möglich ist. Sei es ein Gegenstand der einer alten Dame herunter gefallen ist oder seien es Fahrradteile die ein gehbehinderter Mensch ins Auto packen will und es nicht schafft. Dies sind zwar kleine Dinge doch vielleicht auch die Entscheidenden für junge Menschen wie mich, bei welchen man sieht wie wichtig es ist Anderen auch mal zu helfen oder auf schwache Menschen acht zu geben.
Würden diese Grundgedanken und Einstellungen in den Köpfen gewisser Jugendlicher verankert werden so könnten Tragödien wie jene in Düsburg vielleicht von Besucherseite vermieden. Wobei etwas mehr Aufklärung, Menschenverstand und Sozialität würden nicht nur der Jugend, sondern auch vielen Organisationsteams wie dem in Düsburg gut tun, hinter welchem Erwachsene und vom Protokoll aus gesehen reifere Menschen sitzen sollten.
Bis dann! Tschüssie!
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